Metaverse – Innovation, oder ein alter Hut?

Metaverse – Innovation, oder ein alter Hut?

„Das Metaversum“. Wenn ich das höre, muss ich an meine Kindheit denken. „Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200.“ Klingt ähnlich bedeutungsvoll.

Irgendwie wollen alle ins Metaversum. Facebook hat seine komplette Geschäftsstrategie auf das Metaversum ausgelegt. Daher auch die Umbenennung in „Meta“. Microsoft hat für viele Milliarden Dollar den Spielehersteller Activision aufgekauft, um den Anschluß an das Metaversum nicht zu verlieren. Im Metaversum werden NFTs gehandelt, das neue Gold der Kunstszene. Zukünftig sollen im Metaversum die Menschen, also wir, Einkäufe erledigen, an Events teilnehmen und vieles mehr. Natürlich nicht wir physikalisch. Jeder von uns bekommt einen Avatar zur Seite gestellt mit dem er sich im Metaversum bewegen und agieren kann.

Aber was ist das Metaversum überhaupt? Wo muss ich da hin und wie kommt man da rein? Und ist das tatsächlich was komplett Neues oder nur ein alter Hut mit neuer Farbe?

Springen wir mal zurück in die Vergangenheit. In eine Zeit, als es noch kein Internet gab. Im Jahr 1990 wurde ein Film mit Arnold Schwarzenegger uraufgeführt. Total Recall. Eine Technologie, die einen Menschen per Gedankenmanipulation einen Urlaub erleben lässt, den er gar nicht angetreten hat. Vorher ausgesuchte Erinnerungen, die dem Kunden ins Gehirn eingepflanzt werden. Ist das bereits ein Metaversum, eine virtuelle Parallelwelt?

Machen wir einen kleinen Zeitsprung ins Jahr 1998 / 99. Das Internet ist mittlerweile 8 Jahre alt geworden. Zur damaligen Zeit entwickelten sich erstmals Internet-Communities. Zusammenkünfte verschiedenster Menschen auf Internetseiten, die mittels Foren, Chats und Newsbereichen einen Ort des Treffens und Freunde-finden ermöglichen wollten. Es wurde gechattet, geflirtet und diskutiert. Einer der führendsten Plattformanbieter in dieser Zeit war Cassiopeia NetCommunity. ProSieben hatte mittels dieser Software unter dem Namen „Red7“ eine Community geschaffen, die zeitweise über 200.000 aktive Mitglieder ihr eigen nannte. Zur damaligen Zeit eine beachtliche Größe. Irgendwann verschwanden diese Communities wieder und wurden ersetzt durch Anbieter wie „Wer kennt wen“, „MySpace“ oder etwas später dann auch „Facebook“. Das Grundprinzip blieb das selbe. Man findet und trifft sich, tauscht sich aus, flirtet und diskutiert. Eine Art virtuelle Parallelwelt.

Richtig abgehoben wurde es, als eine im Jahr 2003 gegründete und in den folgenden Jahren bis 2006 massiv gewachsene virtuelle Welt Namens „Second Life“ den Markt der sozialen Interaktion via Internet aufgewühlt hatte. „Es würde unser Leben verändern“, hieß es damals bereits. Ein Paralleluniversum in dem man, vertreten durch einen Avatar, eine zweite, bessere Existenz aufbauen konnte. Tatsächlich wurde erstmals, weit vor Bitcoin and friends, mittels der virtuellen Währung „Lindendollar“, die gegen echtes Geld erworben werden konnte, tatsächlicher Handel betrieben. Grundstücke konnten gekauft und verkauft werden, Shops wurden errichtet, die Waren angeboten und gehandelt hatten. Bekannte Konzerne haben virtuelle Niederlassungen eröffnet, Werbung geschaltet und Veranstaltungen in Second Life durchgeführt. Jeder wollte dabei sein, keiner etwas verpassen. 2006 wurde der Hype dann jäh beendet. Eine der bekanntesten Bewohnerinnen der Welt, eine Immobilienmaklerin, wurde bei einer Veranstaltung innerhalb von Second Life von virtuellen Penissen attackiert (https://www.youtube.com/watch?v=29361_XFpTc). Es hat zumindest für einen handfesten Skandal auch weit in die wirkliche Welt hinein gesorgt. Second Life hat mächtig an Reputation verloren und ist in Vergessenheit geraten.

2009 hat ein Film das Thema Avatare und Parallelwelten wieder aufgegriffen. Anders als bei Total Recall beschreibt Surrogates eine Welt in der alle Bürger das Haus nicht mehr verlassen und nur mittels Avataren das Leben ausserhalb der eigenen vier Wände bestreiten. In dieser Vision wurde die virtuelle Welt durch Roboter-Avatare in die wirkliche Welt überführt. Ende der ersten Dekade in den 2000ern sicher noch sehr visionär, heute würde ich eine Entwicklung in diese Richtung nicht mehr komplett von der Hand weisen.

Ab dem Jahr 2015 wurde Virtuell Reality in Form der VR-Brillen (mal wieder) ein Megatrend. Samsung brachte für sein Smartphone sogar eine eigene VR-Brille an den Markt. Viel wurde spekuliert und geplant, was man damit alles machen kann. Auch hier war man der Meinung: „Es wird die Welt verändern“. Passiert ist hingegen nicht viel. Flug- und Rennsimulatoren und VR-Filme sind noch die bekanntesten Errungenschaften dieser Technologie. Wirklich durchsetzen konnte sie sich bis heute nicht.

Und jetzt beglückt uns also das ominöse Metaversum, dass unsere Zukunft verändern wird und unser Leben neu organisiert. Die verheißungsvolle Verbindungswelt zwischen der Realität und der Technologie. Meta (ehem. Facebook), Microsoft und viele andere buhlen bereits um die Vorherrschaft der neuen Zukunft. 

Moment… Neu? Nein. Eher doch die alte Idee mit neuer Technologie aufpoliert. Neue Welten wie Horizon und Decentraland konkurrieren jetzt mit dem übrigens immer noch existierenden Second Life um Nutzer. Die Machart hat sich im übrigen auch nicht verändert. Alle Anbieter haben 3D-Welten, die mit einem Avatar bereist werden können. Es sind ein paar neue Dinge hinzugekommen. Man kann jetzt NFTs per Blockchain direkt mit dem angebundenen persönlichen Krypto-Wallet handeln, statt wie in 2003 mit Lindendollar zu zahlen. Wirklich verändert hat sich also nichts. Aber es hat durchaus an Potential gewonnen! 

Waren die Versuche der Vergangenheit vielleicht noch etwas zu früh für den damaligen Stand der Technik, kann es jetzt durchaus spannend werden. Augmented Reality Brillen die die wirkliche Welt nicht mehr über einen Flatscreen, sondern augenscheinlich greifbar mit der virtuellen Welt vermischt. Wenn im Lebensmittelladen um die Ecke auf einmal Regale auftauchen, die ohne Brille nicht existieren. Wenn Personal weiterhilft, was eigentlich nicht da ist. Wenn Dinge sich und ihre Handhabung selber erklären, ohne das extra im Internet nachgeschlagen werden muss. Die Möglichkeiten sind sicher vielfältig. Und die in der Zwischenzeit existierende und unterstützende Technologie macht das Feld spannender denn je zuvor.

Es scheint also – wie so oft – nicht die Frage ob, sondern lediglich wann es kommt und sich etabliert. Also irgendwie doch voll geil, oder?

Blockchain und IPFS

Blockchain und IPFS

Ich kann mich noch an die Mitte der neunziger Jahre erinnern. In meinem WG Zimmer stand ein 36,6-Modem, auf dem Schreibtisch ein gefühlt 50 KG schwerer 17″ Monitor und darunter ein ca. ein Meter hohes Gehäuse für meinen Rechner. Davor saß ich.

Ich hatte gerade meine dritte E-Mail Adresse eingerichtet. In einer Zeit, als die Welt gerade gelernt hatte, ein Fax zu bedienen. Warum ich das gemacht hatte? Zum einen, weil ich es konnte. Auf der anderen Seite war ich damals bereits überzeugt, dass E-Mail die Art der Kommunikation verändern wird. Weg von Briefen und Fax. Hin zur nahezu Echtzeit-Schriftkommunikation.

Allerdings war ich recht alleine mit meiner Begeisterung. 9 von 10 Personen in meinem Umfeld wussten noch nicht einmal, was eine E-Mail überhaupt ist. Geschweige denn, warum man so etwas besitzen müsste.

Im Laufe der letzten 20 Jahre habe ich viele technische Innovationen miterleben dürfen, die in der gleichen Art und Weise Beachtung gefunden hatten. Im Stillen gewachsen, erst ignoriert, dann belächelt, festgestellt „das machen ja immer mehr“, selber genutzt und zu Guter Letzt nicht mehr aus dem Leben wegzudenken.

Ob das World Wide Web (also unser aktuelles Internet), die E-Mail, Online-Dienste, das Internet der Dinge, es gibt viel zu entdecken. So wie aktuell hautnah mitzuerleben, die Blockchain. Eine Technologie, die sich mittels einer darauf basierenden digitalen Währung seit 2009 aus dem Schatten ins Licht bewegt hat und sich auf dem Weg befindet, unsere Prozessketten zu revolutionieren. Oder wie man heute sagt: den Markt disruptiv zu verändern.

Während die Welt also gerade dabei ist Blockchain zu inhalieren und der Masse greif- und begreifbar zu machen, reift bereits noch versteckt im Dunkel eine neue Technologie im Creative Lab des Internet heran, die von sich selber behauptet das Potential zu besitzen, das Internet, wie wir es kennen, grundlegend zu verändern. Diese neue Technologie für sich ist bereits faszinierend genug, in Verbindung mit Blockchain steckt hier allerdings enormes Potential.

IPFS, das InterPlanetary File System. Ziel dieser Technologie ist es, Informationen manipulationsfrei dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Nicht mehr durch Einzelne oder Staaten kontrollierbar oder derer Zensur unterworfen. Permanent verfügbar ohne eine Möglichkeit sie zu blockieren. Gedacht, um totalitären Staaten die Möglichkeiten der Informationsmanipulation zu nehmen. Mit Möglichkeiten, die allerdings weit über diese ursprüngliche Idee hinausgehen.

Die erste medienwirksame Nutzung dieser Technologie gab es während der Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens. Die Anhänger Puigdemonts hatten all ihre Internetseiten in das IPFS hochgeladen, als die spanische Regierung damit gedroht hatte, deren Internetseiten abzustellen. So konnte das Gedankengut vor staatlichem Zugriff geschützt und weiterhin im Zugriff für die Öffentlichkeit behalten werden.

Während das klassische Internet eine zentrale Struktur aufweist, deren Inhalte und Verfügbarkeit  von denen kontrolliert werden, die einen Zugriff auf die Knotenpunkte der Internetverbindungen haben, die Server besitzen und die Domainnamensvergabe regeln, ist das IPFS dezentral organisiert. Keiner hat alles, jeder lediglich ein bisschen, das allerdings redundant auf viele verteilt und über Peer to Peer-ähnliche Technologie immer im Zugriff ohne die Möglichkeit durch das Kappen einer oder mehrerer Verbindungen den Weg zur Information zu versperren. Das macht es nicht nur attraktiv für von totalitären System drangsalierten Personen oder Organisationen, sondern schützt zeitgleich auch vor Manipulation durch Hacker oder Personen mit krimineller Energie. Dadurch, dass es ebenfalls keine starren Kommunikationskanäle nutzt, sondern sich auf jede Art von Datenverbindung einlassen kann, sagt man dem IPFS auch das Potential nach, eine komplett neue Art des Internets zu werden, das sich von dem heute bekannten World Wide Web grundlegend unterscheidet.

Blockchain besticht, neben der Prozessgeschwindigkeit, durch die manipulationsfreie Speicherung von Prozessschritten. IPFS besticht durch das manipulationsfreie Speichern von ganzen Datensätzen. Kombiniert man die beiden Technologien ergibt sich eine faszinierendes Potential künftiger Anwendungsszenarien.

Auf der Blockchain werden die Prozessabläufe hinterlegt, im IPFS die dazu gehöhrenden Informationen, Dokumente, Daten, etc.. Beides im permanenten Zugriff, nicht manipulierbar, und mit durch das System bedingter automatischer Redundanz und Versionierung.

So können nicht nur die Kaufabläufe mittels Blockchain sicher protokolliert und Aktionen und Prozesse durch Smart Contracts aktiviert, sondern auch die dazugehörige Dokumentation in Form von Verträgen, Unterlagen, etc. in der revisionssicheren Archiv-„Welt-Cloud“ gespeichert werden.

Durch die Systemarchitektur des IPFS werden auch keine Storage-Systeme im klassischen Sinne mehr benötigt, da theoretisch jedes am Internet angedockte System als Speicher genutzt werden kann. In der Welt der Internet der Dinge eine schier unversiegbare Quelle von Speicherplatz.

Natürlich gibt es viele Aspekte, die in einem solchen System bedacht werden müssen, alleine schon die vielfältigen Themen von Gesetzgebung, Haftung, etc.. Für das reine Betrachten der Möglichkeiten und ein Brainstorming des Potentials, das dahinterliegt, darf man das durchaus initial vernachlässigen. Die Ideen bringen den Proof of Concept, der Proof of Concept wird die Spreu vom Weizen trennen. Wer nicht über die Grenzen hinaus denkt, wird sich auf eine sehr stationäre Reise begeben.

Und wie ganz oben beschrieben befinde ich mich – mal wieder – in der Situation „Was machst Du da? Was ist das? Ich brauche das nicht….“. Mal sehen, wann es alle nutzen werden 🙂

Non-Fungible-Token. NFT.

Non-Fungible-Token. NFT.

In den Dimensionen des WEB3 mittlerweile eine altbekannte und nicht mehr wirklich neue Form der Tokenisierung von Dingen und stets assoziiert mit und genutzt auf dem Kunstmarkt. Ein Blockchain-Eintrag als unzerstörbares Unikat, von den Fans gleichgestellt mit einem originalen Picasso, Monet oder anderen großen Kunstwerken. So kommt es, dass zwischenzeitlich Pixel-Bilder von Affenköpfen und andere Werke im Stil der 80er-Jahre-Computergrafiken für mehrere Millionen Dollar den Besitzer gewechselt haben.

All das läuft unter dem Begriff des Kunsthandels. Zumindest wird so darüber berichtet. Worüber allerdings kaum geschrieben wird, zumindest nicht in den plakativen Mainstream-Medien, ist die derzeit schwelende Diskussion, ob der Kauf und Verkauf von NFTs Wertpapierhandel ist, oder mit dem Kunsthandel gleichgesetzt werden muss. Fakt ist, dass ein NFT auf der selben Technologie basiert, wie ein Coin einer Kryptowährung. Einziger Unterschied: Der Coin ist vielfach vorhanden und hat einen allen Coins gleichen zugewiesenen Wert, der NFT ist einmalig und hat nur einen imaginären Wert, der dadurch ermittelt wird, wieviel der Käufer bereit ist dafür zu zahlen.

Betreibt eine Plattform für NFTs jetzt Wertpapierhandel und ist erlaubnispflichtig im Sinne der Bestimmungen der BaFIN oder ist es letztlich nur ein normaler Gewerbebetrieb, der sich mit Kunsthandel beschäftigt?

Der Gesetzgeber hat den Katalog des §1 Abs. 11 KWG mal eben um den Begriff „Kryptowerte“ erweitert, ohne dies näher einzugrenzen oder zu definieren, und ist damit über das originäre Ziel der dieser Änderung zugrunde liegenden EU-Richtlinie hinausgeschossen. Bewusst? Oder nur mittels Nicht- oder Halbwissen der Beteiligten? Wieder mal eine klassische „Nicht-zu-ende-gedacht“-Thematik, die für spannende Nachwehen sorgen wird?

Es scheint eine Frage in der immer mehr verschwimmenden Welt zwischen klassischem Geschäft und Digitalisierung, die vermutlich nicht so einfach zu lösen ist. Oder doch? Was ist Deine Meinung? Muss der NFT an der Technologie bewertet werden oder an der Nutzung? Ist es Wertpapier- oder Kunsthandel?

Wie ist Deine Meinung? Schreib mir auf LinkedIn unter https://www.linkedin.com/in/stephan-meusel/

Hierzu wird es in der näheren Zukunft sicher noch spannende Debatten geben.